• Christian Lindner

Weniger, weiblicher, älter, akademischer

Aktualisiert: 2. Nov 2019

Die deutschen Journalisten sind in den letzten zwei Jahrzehnten weniger, weiblicher, älter und akademischer geworden.


Das ging aus dem Vortrag „Was ist bloß mit dem Journalismus los?“ des Kommunikationswissenschaftlers Prof. Dr. Siegfried Weischenberg beim Herbstforum der Initiative Qualität im Journalismus in Berlin hervor.


(Diese Initiative ist ein verdienstvolles Netzwerk, das Aktivitäten zur Qualitätssicherung in den Medien bündelt.)


Weischenberg setzte bei seinem Vortrag Zahlen von Studien aus den Jahren 1993, 2005 sowie 2015 in Bezug (die Quellen sind unten aufgeführt) und machte so signifikante Veränderungen im deutschen Journalismus deutlich.


Die Zahl der deutschen Journalisten: 1993 gab es in Deutschland 54.000 hauptberufliche Journalisten. 2015 waren es noch 41.000 – 13.000 weniger.

Deutschland ist damit nicht alleine: In den USA sank die Zahl der „News People“ zwischen 1992 und 2013 von 122.000 auf 83.000.


Die Zahl der hauptberuflich freien Journalisten in Deutschland hat sich laut Weischenberg im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte fast halbiert. 1993 gab es 18.000 Freie, die von Journalismus lebten – 2015 waren es noch 9600.


Die Mitgliederzahlen im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) spiegelt diese Veränderungen wieder: 2005 waren im DJV noch 42.000 Journalisten organisiert, 2015 waren es 36.000, jetzt noch cirka 32.000.


"Dahinter stecken gesellschaftliche Folgewirkungen"

Weischenberg in Berlin zum Rückgang der Zahlen der Journalisten in Deutschland: „Dahinter stecken nicht nur viele individuelle Schicksale, sondern gesellschaftliche Folgewirkungen. Denn die Wissenschaft nimmt aus guten Gründen an, dass die Zahl der Journalistinnen und Journalisten Relevanz besitzt für die Funktion des Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft.“


Vor diesem Hintergrund sind folgende Relationen interessant: In Deutschland kommen nun auf 100.000 Einwohner rund 50 Journalisten. In den USA sind es schätzungsweise weniger als 30, in der Türkei gerade mal 8. Deutlich mehr Journalisten in Relation zur Einwohnerzahl gibt es in Österreich mit 87 je 100.000 Einwohner. In der Schweiz liegt dieser Wert sogar bei 129.


Das Alter der deutschen Journalisten: Das Durchschnittsalter der Journalisten in Deutschland ist deutlich gestiegen. 1993 waren die Journalisten im Land im Schnitt 37 Jahre alt. 2005 lag dieser Wert bei 41 Jahren, 2015 bei rund 46 Jahren. Weischenberg in Berlin: „Das heißt: Der Journalismus hat ein Nachwuchsproblem.“


Das Geschlecht der deutschen Journalisten: Der Frauenanteil im deutschen Journalismus ist von 1993 bis 2015 ebenfalls gestiegen – von 33 auf rund 40 Prozent.


Die Akademisierung der deutschen Journalisten: 1993 hatten 65 Prozent der deutschen Journalisten ein Studium abgeschlossen. 2015 waren es bereits 82 Prozent. Nur zwei Prozent hatten kein Abitur.


Weischenberg: „Journalisten sind in ihrer sozialen Zusammensetzung also alles andere als ein Spiegel der Bevölkerung."




Weischenbergs Vortrag lesen und die Veranstaltung auswerten: Das 10. Herbstforum der Initiative Qualität im Journalismus ist hier komplett dokumentiert.



Weischenbergs Quellen:


Daten von 1993 und 2005: Siegfried Weischenberg / Maja Malik / Armin Scholl: „Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report über die Journalisten in Deutschland.“ Konstanz, UVK, 2006.


Daten von 2014/2015: Nina Steindl / Corinna Lauerer / Thomas Hanitsch: Journalismus in Deutschland. In: Publizistik 2017/4


Daten aus den USA: Lars Willat / David H. Weaver / G Cleveland Wilhoit: The American Journalist in the Digital Ae: A Half-Century Perspective. New York, 2017.



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